Psychologische Sicherheit im Workshop

3 Tipps, um die psychologische Sicherheit im Workshop zu steigern

Als Trainerin und Trainer bist du wahrscheinlich für unterschiedliche Arten von Trainings und Workshops im Einsatz. Vielleicht geht es darum, Verständnis für ein Thema oder eine Veränderung zu schaffen, neues Wissen anzuwenden, Entscheidungen zu treffen oder Ideen zu entwickeln? Doch egal, zu welchem Thema du unterwegs bist, als Trainerin und Trainer möchtest du Inhalte erfolgreich vermitteln und Trainingsziele erreichen.

Sicherlich stimmst du zu, dass dies in einem unterstützenden und integrativen Umfeld viel besser gelingt, als in einer gehemmten oder gar aggressiven Umgebung. Wenn Teilnehmende sich sicher fühlen, z.B. ihre Stärken und Schwächen zuzugeben, Risiken einzugehen und einen offenen Dialog zu führen, verbessert sich die Qualität des Lernens und der Zusammenarbeit erheblich. Diese Art von Lernumfeld kann auch als “psychologisch sicher” beschrieben werden, ein Konzept nach Amy Edmondson. Psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ermöglicht Lernen, Innovation und Wachstum. Doch es ist gar nicht so einfach, diese Form von vertrauensvoller Zusammenarbeit zu schaffen.

In diesem Artikel stellen wir dir praktische Tipps und Übungen vor, um die psychologische Sicherheit in deinem Training zu fördern. Los geht’s…

Tipp 1: Als Vorbild vorangehen für psychologische Sicherheit

Bestimmt hattest du schon mal eine Situation in deinem Leben, in der eine dir fremde Person an deine Offenheit und aktive Mitarbeit appelliert hat und du dir dachtest: “ Moment mal, ich kenne dich nicht. Woher weiß ich, dass das gut geht?” Wir bei Memogic erleben diese zurückhaltende Haltung häufig in Trainings und Workshops und können dieses Verhalten unserer Teilnehmenden durchaus nachvollziehen. Es ist nicht so, dass Menschen nicht mitziehen wollen, es ist eher so, dass sie es nicht auf Abruf können, da ihr Bedürfnis nach Sicherheit nicht befriedigt ist.

Deswegen empfehlen wir dir getreu dem Motto “walk the talk” oder “practice what you preach” als Vorbild voranzugehen und deinen Teilnehmenden die Chance zu geben, dich nicht nur als Trainerin und Trainer mit Expertenwissen, sondern auch als Person und Mensch kennenzulernen.

Wichtig dabei: Vertrauen ist keine Einbahnstraße! Erwarte nicht von den Teilnehmenden, ihre Maske fallen zu lassen und offen über Bedürfnisse, Probleme oder Herausforderungen zu sprechen, wenn du selbst nicht bereit bist, von deinem Trainer-Podest hinabzusteigen und deine Experten-Maske fallen zu lassen.

So gehst du als Vorbild voran. Gut moderiert, werden diese Punkte dich deiner Gruppe näher bringen:

  1. Vorstellung: Stelle dich nicht nur mit deinen Qualifikationen vor, sondern erwähne 2-3 persönliche Facts zu dir, z.B. eine kleine Macke, eine aktuelle Herausforderung oder einen prägenden Lebensmoment.
  2. What happens in Vegas, stays in Vegas: Etabliere die Regel, dass alles, was im Raum und im Training geteilt wird, vertraulich ist. Behalte dies auch im Kopf, wenn du das Training dokumentierst und hole dir die Erlaubnis ein, sollten persönliche Erkenntnisse oder Herausforderungen verschriftlicht werden. Dies kann sogar bedeuten, bestimmte Erkenntnisse nicht selbst an den Auftraggeber zurückzumelden, sondern die Teilnehmenden dies selbst verantworten zu lassen.
  3. Mache mit und sei nicht nur dabei: Je nach Themenfeld deines Trainings oder Workshops kannst du – dosiert und thematisch passend – deinen “Trainerhut” abnehmen und dir die Erlaubnis einholen, ein eigenes Erlebnis mit der Gruppe zu teilen. Vielleicht kennst du ein ähnliches Dilemma? Vielleicht konntest du ein Ziel nicht erreichen? Vielleicht hast du selber mal gekniffen und dich nicht aus der Komfortzone gewagt? Vielleicht gibt es sogar in diesem Training bzw. Workshop etwas, was dir schwerfällt oder was du dir anders vorgestellt hast? Sogar so etwas kannst du in der Gruppe teilen.

Psychologische Sicherheit im Workshop – What happens in Vegas, stays in Vegas

Tipp 2: Eine Vertrauensbasis unter den Teilnehmenden aufbauen

Studien belegen, dass eine kameradschaftliche Beziehung das Miteinander stärkt und Empathie fördert, was zu mehr Disziplin, Engagement und Durchhaltevermögen führt. Und genau deswegen ist es sehr sinnvoll, ein gewisses Zeitfenster in deiner Agenda dafür zu nutzen, die Beziehung und das Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander zu fördern. Je nach Aufgeladenheit eines Trainingsthemas, sollte diesem sozialen Austausch sogar deutlich mehr Raum gegeben werden, als inhaltlichen Themen.

Psychologische Sicherheit im Workshop – Check-in Fragen

Folgende Check-in Fragen könntest du beim nächsten Mal ausprobieren, da Sie über die übliche Vorstellungsrunde und Erwartungsabfrage hinausgeht. Lass die Teilnehmenden folgende Frage beantworten: “Das weiß kaum einer hier über mich”. Ermutige die Teilnehmenden,etwas Persönliches zu teilen. Spielerischer wird diese Frage noch, wenn du die Teilnehmenden folgenden Satz vervollständigen lässt: “Ich bin hier der/die einzige, der/die…”. Sollten Teilnehmenden eine Gemeinsamkeit entdecken, heben die Hand oder geben ein kurzes Statement zu der gemachten Aussage. Dann macht die nächste Person weiter. Selbst für Personen, die sich bereits kennen, kann diese Variante interessant sein, denn es entstehen neue Anknüpfungspunkte. Denke zum Schluss an Tipp 1 und sei bereit, dass auch du etwas Persönliches oder Einzigartiges von dir preisgibst.

Tipp 3: Offenheit und Zusammenarbeit fördern

Bereits in der Vorbereitung deines Trainings oder Workshops solltest du stringent in deiner Agenda bedenken, ob die von dir gewählten Methoden und Interaktionen darauf einzahlen, dass sie Offenheit und ein Zusammenarbeiten fördern. Eine zum Thema passende Trainingsdidaktik ist das A und O und die große Kunst eines gelungenen Trainings.

Psychologische Sicherheit im Workshop – Offenheit und Zusammenarbeit

  1. Erwartungen managen: Gleich zu Beginn des Trainings lohnt es sich, eine Angleichung der Erwartungen vorzunehmen. Frage also die Erwartungen der Teilnehmenden und auch Wunschergebnisse für die gemeinsame Zeit ab. Die Erwartungen und Wünsche können auf einem Flipchart oder einem gemeinsamen Dokument gesammelt werden. Jetzt besteht die Chance, alles genannte mit dem Zweck und den Zielen des Trainings abzugleichen. Sofern Wünsche dabei sind, die sich schwer erfüllen lassen, lässt sich dies jetzt ansprechen oder eine Lösung entwickeln, um es doch zu ermöglichen. Dieses Check-in ermöglicht einen offenen Dialog mit dir als Trainerin bzw. Trainer und legt Themen offen, die der Gruppe wichtig sind.
  2. Redebeiträge moderieren: Oftmals gibt es in einer Gruppe die “schnellen Denker”, die sich sofort zu Wort melden und dies auch immer wieder tun. Und es gibt wiederum eher “stille Beteiligte”, die mehr Zeit benötigen, skeptisch sind oder ihren Beitrag als nicht so wichtig erachten. Um eine Balance zu finden, gibt es Methoden, wie das “Think-Pair-Share” oder “1-2-4-all” : Nach einer Fragestellung bitten Sie die Teilnehmenden, erst einzeln darüber nachzudenken. Dann werden Zweiergruppen gebildet, um die Gedanken zu diskutieren. Zuletzt werden Erkenntnisse oder Ideen in einer größeren Gruppe mitgeteilt. Ebenfalls kann es helfen, die stärker Beteiligten zum aktiven Zuhören einzuladen und sich auf das Verstehen zu konzentrieren, anstatt zu urteilen oder schnelle Ratschläge zu erteilen. So sorgt die Balance für eine gesteigerte psychologische Sicherheit im Workshop oder Training.
  3. Übungen reflektieren: Leider werden in den meisten Umfeldern Lernprozesse und Fehler nicht als normal angesehen. Wir vergessen auch für uns selbst immer wieder, dass sich Erfolge und Veränderungen nicht über Nacht einstellen. Oft reagieren wir enttäuscht oder frustriert, wenn etwas nicht perfekt läuft, zweifeln an uns selbst und sehen lauter Hürden vor uns. Es macht Sinn, zu betonen, dass auch aus Fehlern oder Rückschritten etwas Großes entstehen kann – jedoch nur, wenn diese reflektiert werden. Als Trainerin oder Trainer kannst du gezielt Lernreflexionen einbauen. Gebe den Teilnehmenden die Möglichkeit jede Übung zu rekapitulieren, sich untereinander Feedback zu geben und aufzuschreiben, was sie aus dieser Erfahrung gelernt haben oder wie diese Erfahrung ihre Entwicklung beeinflusst. Lernreflexionen können sowohl einzeln, in Tandems oder in Kleingruppen erfolgen.

Auch wenn es einfach scheint: ein sicheres Umfeld zu kreieren und dir die Tipps und Übungen vielleicht trivial erscheinen, ist es in Realität doch eine Herausforderung. Inhalte erarbeiten und auf Papier zu einem guten Ergebnis zu kommen ist eine Sache. Doch ob du mit deinem Training und dem Workshop etwas bewirkst, lässt sich selten messen. Im Idealfall spiegelt die Gruppe in einer Feedbackrunde Punkte, wie Einfühlungsvermögen, Zuhören, oder das Schaffen eines Raumes für Austausch und Entfaltung.

Bei einer mehrtägigen oder längeren Zusammenarbeit hilft auch immer der Blick nach vorne und Fragen, wie: “Was darf so bleiben?”, “Wovon wollen wir mehr / weniger?” (Start-Stop-Change-Continue). Und natürlich lohnt es sich, selbstkritisch auf den Tag zurückzuschauen und nicht nur zu reflektieren, ob man zufrieden mit dem Überbringen der Sachinhalte und Methoden war, sondern auch mit dem eigenen Verhalten in Bezug auf auf herausfordernde Fragen, verschiedene Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Kritik.


Wir hoffen, wir konnten dich von den Vorteilen eines unterstützenden und integrativen Umfeld, das psychologisch sicher ist, überzeugen. Viel Spaß beim Ausprobieren und Anwenden der Tipps und Übungen aus diesem Artikel.

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